50+ Babyboomer im Fokus!

Am Freitag, 8. November 2019 durfte ich an den «6. Oltener Verschuldungstagen» mit dem diesjährigen Titel «Arbeitslosigkeit und Verschuldung» als 50+ Fachreferent an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) teilnehmen. Der Schweizerische Arbeitnehmerverband 50Plus (SAVE 50Plus Schweiz) bekam damit die Gelegenheit sich bei über 160 Fachspezialisten aus dem sozialen Bereich bekannt zu machen. Am sogenannten «Markt der Möglichkeiten» in den Pausen zwischen den 9 Referaten konnten wir an unserem Informationsstand das relevante qualitative Netzwerk ausbauen.

IMG_0008
Daniel G. Neugart, Präsident und Geschäftsführer am Infostand am «Markt der Möglichkeiten».

Unser Dank geht an Dr. Christoph Mattes von der Hochschule für Soziale Arbeit (FHNW), der auch der speziellen Situation der «Babyboomer» Raum gegeben hat. In meinem Referat mit dem Titel «Chancen statt Schulden» konnte ich unter anderem auch den «sozialen Verlustprozess» in Wort und Bild darstellen. Für uns war es ein sehr erfolgreicher und wertvoller Anlass. Herzlichen Dank!

07
Der Verlustprozess beginnt beim Vertrauensverlust. Über ein Drittel der Ratsuchenden bei unserem Verband sind noch in einer festen Anstellung ohne Kündigung. Das gibt zu denken.

Wir müssen neue Wege gehen

Wenn Arbeitslosigkeit Verschuldung oder Zahlungsunfähigkeit auslöst, Schulden zugleich die Stellensuche erschweren oder verhindern, dann ist guter Rat teuer. Doch wie können Betroffene unterstützt werden, um aus dieser Not herauszukommen? Was kann konkret angeboten werden, um Armut, Arbeitslosigkeit und Verschuldung nachhaltig zu bekämpfen? An den diesjährigen 6. Oltener Verschuldungstagen wurde der fachliche und politische Austausch zu diesen zentralen Fragestellungen gefördert und neue Wege der Unterstützung sind in den Fokus gerückt worden. In diesem Zusammenhang hat unser Verband die positiven politischen Signale mit der Idee einer «Überbrückungsrente» gewürdigt, aber auch auf die Gefahren hingewiesen.

Die Büchse der Pandora

Gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht. Nur sehr wenige werden von einer «Überbrückungsrente» profitieren. Was passiert mit allen anderen?

06
Das erfolgreiche Selbstintegrationsprogramm «My Way 50Plus – Integratives Selbstmarketing» ist eine alternative arbeitsmarktliche Massnahme (AAM) für ältere Stellensuchende.

Wird es dadurch den Arbeitgebern nicht moralisch noch leichter gemacht, ältere Arbeitnehmende in die Frührente zu verbannen? Schon längst haben wir bei unserer Verbandsarbeit einen neuen äusserst gefährlichen Trend erkannt. Ältere Arbeitnehmende werden in die Frühpensionierung geschickt, um sie kurze Zeit später wieder als «Teilzeittemporär» oder auf Abruf zu nutzen. Als Rentner ist man billiger und man nimmt sich nur die Kompetenzen, die man wirklich braucht zu einem Pensum, das für den Arbeitgeber Sinn macht. Das ist die Autobahn zum Working Poor!

11
Das heutige Arbeitsmodell ist ein Auslaufmodell. Für den Arbeitgeber sind ältere Arbeitnehmende «Überqualifiziert» und ältere Mitarbeitende sind oft unterfordert.

Angriff statt Verteidigung

Wie lässt sich das verhindern? Es muss politisch ein Riegel geschoben werden. Rentner dürfen nicht billiger sein als ältere Arbeitnehmende, die noch bis zur Rente im Arbeitsprozess bleiben müssen!

08
Die meisten Rentner müssen länger arbeiten, weil die Rente nicht reicht. Andere wollen weiter arbeiten, weil sie noch topfit sind und sie null Bock haben einfach nichts mehr zu tun.

Schon heute werden viele Rentner wieder zurückgeholt, um den Fachkräftemangel abzufangen und den Wissenstransfer sicherzustellen. Dieser Trend wird sich massiv verstärken, denn der «Babyboomer-Countdown» ist am ticken. Die Wirtschaft kommt zunehmend unter Druck. Das erhöht die Nachfrage nach älteren Stellensuchenden und wäre natürlich sehr positiv für die Generation der «reifen Jugend». Statt aber als Stellensuchender davon profitieren zu können, reguliert die Wirtschaft die Herausforderungen der Zukunft bereits mit reizvolleren Lösungen. Diesem sozialpolitisch destruktiven Trend muss deshalb sofort ein Riegel geschoben werden. Ansonsten erleben wir schon lange bevor der Countdown zu Ende gezählt ist eine soziale Explosion, die wirklich niemand mehr bezahlen kann und will.

Verschuldungstage
Daniel G. Neugart im Referat «Chancen statt Schulden» vor über 160 Fachspezialisten.

Um dieses vorhersehbare Desaster zu stoppen muss die Differenz, die die Rentner billiger machen, einen «geregelten Aufpreis» erfahren, ansonsten werden die älteren Stellensuchenden von noch älteren Rentner zunehmend ausgebootet. Die Einnahmen durch diesen Aufpreis sollten gleichzeitig genutzt werden, um zum Beispiel Weiterbildungen für ältere Stellensuchende zu finanzieren.

Prioritäten setzen

Warum sollen erfahrene Fachkräfte die «Schleichwege der Wirtschaft» nicht dankend als Vorlage nutzen, um aktiv und erfolgversprechend eine neue, sinnvolle Strategie zur Stellenfindung anzuwenden?

Die Bedürfnisse der Wirtschaft sind klar und offensichtlich erkennbar. Eigentlich könnte es einem älteren Mitarbeiter auch egal sein, wenn er seine Stelle verliert, wenn er daraufhin nach 2-3 Monaten wieder eine neue und vielleicht sogar noch bessere Anstellung finden würde. Dem ist aber in der Regel nicht so.

Ältere Mitarbeiter haben Angst die Stelle zu verlieren, weil sie wissen, dass es sehr schwer ist wieder eine neue Stelle zu bekommen. Wir werden uns also primär folgenden Fragen zuwenden müssen. Wie kann man im aktuellen Arbeitsmarkt am schnellsten und besten den Schuh wieder zwischen die Türe bekommen? Wie kann ein älterer Stellensuchender für potenzielle Arbeitgeber attraktiver sein?

Diese Fragen werden in unseren intensiven, praxisorientierten Fachseminaren My Way 50Plus – Integratives Selbstmarketing behandelt und umfassend beantwortet.

Mehr als 72% der Teilnehmenden an unseren 50+ Fachseminaren organisieren innerhalb von 6 Monaten ein geregeltes Einkommen.

13
Wir suchen keinen Job mehr, wir suchen ein Einkommen mit dem wir vernünftig Leben können.

Ältere Stellensuchende kämpfen gegen viele Vorurteile. Sie seien auch meistens überqualifiziert und zu teuer. Aber auch unterfordert. Vielleicht sollten sich Unternehmer ein bisschen mehr darüber Gedanken machen wie sie die «Erfahrung» eines älteren Mitarbeiters besser einsetzen könnten. Zum Beispiel mit einem «internen Jobsplitting». Der Mitarbeiter arbeitet nur noch 40% weiter wie bisher und dazu nochmals 40% als Lehrlingsausbildner, bei der Qualitätskontrolle oder etwas anderes. Als interner Mentor vielleicht? Auf jeden Fall so dass der Arbeitgeber die Vorteile der «Erfahrung» effizienter nutzen kann. Der ältere Mitarbeiter erfährt dadurch neue Wertschätzung und Motivation. Und vielleicht will er ja auch vom Pensum her ein wenig kürzer treten. Im «analogen Dialog» ist vieles möglich.

12
Arbeitgeber sind gefordert, die erfahrungsbasierten Kompetenzen sinnvoller einzusetzen.

Für ältere Stellensuchende kann es ein Vorteil sein, wenn sie mindestens zwei Einkommensquellen organisieren für die letzten 10 Jahre bis zur offiziellen Rente. Das verschärfte Klumpenrisiko durch den unrühmlichen Tatbestand «Opfer einer Umstrukturierung» kann zumindest abgefedert werden. Man ist flexibler und somit wertvoller und begehrter.

Man tut das, was man am besten kann, dort wo es am meisten gebraucht wird, zu dem Pensum das Sinn macht und zu dem Preis, den man selbst ausgehandelt hat. Damit ist man hocheffizient und auch ein über das Rentenalter hinauswirkender Erfolgsfaktor für den Arbeitgeber.

Die meisten Rentner wollen und/oder müssen weiterarbeiten, weil die Rente nicht reichen wird oder weil man einfach in diesem Alter noch zu frisch und zu knusprig ist, um auf der faulen Haut herumzuliegen! Wir werden 90 und 100 Jahre alt! 30 Jahre Ruhe hält auch der gesündeste Mensch im Kopf nicht aus!

Es kann und darf aber auch nicht sein, dass erfahrene, flexible Fachkräfte, die von der Wirtschaft mit Nachdruck gefordert werden, auch noch sozial benachteiligt werden, weil sie pro Jobsplit zu wenig Einkommen generieren, um BVG-pflichtig zu sein. Wo soll den hier der Anreiz sein, sich auf moderne, flexible Arbeitsmodelle einzulassen?

Auch hier muss ein «politischer Riegel» geschoben werden! Zum Beispiel BVG-Pflicht für alle! Von der ersten bis zur letzten Arbeitsstunde! Egal welchen Alters. Und warum reden wir über eine Erhöhung des Rentenalters? Das muss natürlich irgendwann sein, aber:

Es gibt eine absolute Priorität!

21

Daniel G. Neugart, Präsident und Geschäftsführer SAVE 50Plus Schweiz

Es wurde kein Alt-Text für dieses Bild angegeben.

Wir sind an deinem Kommentar interessiert